[Update nach der 1. Überwinterung] Meine persönlichen Erfahrungen als Vespa-Fahrer

Vespa GTS Super - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

Anfang April habe ich mir meine Vespa GTS Super geholt. Mein erstes motorbetriebenes Fahrzeug mit zwei Rädern. Dafür ließ ich mir zwar reichlich Zeit, aber wir Generation 100- sind ja voll aktiv. Hier meine persönlichen Erfahrungen als Roller-Neueinsteiger … mit einem Update vom 11. August 2015 (nach 1.000 Kilometer) und vom 6. April 2016 …

Meine drei wichtigsten Beweggründe für die Anschaffung des Rollers waren: 1. Spaß, 2. die Vermeidung der hohen Kurzparkgebühren in Wien (zumindest bei Schönwetter) und 3., um nicht lange einen Parkplatz suchen zu müssen.
Nachtrag 11.8.2015: Der Spaß steigert sich von Kilometer zu Kilometer. Und die Freude an den gesparten Parkgebühren in Wien ist riesengroß!
Nachtrag 6.4.2016: Herrlich nach der Winterpause wieder das Vespa-Feeling zu spüren.

Ich habe mir die Vespa mit ABS und ASR genommen. Ich fühle mich damit sicherer. Darüber hinaus habe ich sie in Rosso Dragon. Erstens, weil mir das Rot taugt, zweitens weil der Roller in dieser Lackierung als Ausstellungsstück da war und drittens könnte diese grelle Farbe für mehr Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgen.

Mitbestellt habe ich gleich die Stoßstangen (in Chrome) für vorne und hinten. Die passen optisch gut dazu und bieten mehr Schutz für die Karosserie. Denn nicht jeder Autofahrer beherrscht sein Fahrzeug beim Ein/Ausparken. Trotz Sensoren und Kameras rundherum.
Ebenso schon montiert: Die Sportscheibe (hilft gegen Insekten im Gesicht) und das verstellbare Alu-Hebelset (passt besser zu meinen Fingern).

Meine Vespa hat ca. 15 PS / 11 kW. Für mich mehr als ausreichend in der Stadt. Ich komme flott voran und bin kein Verkehrshindernis. Im Gegenteil. Damit das auch bekundet ist :-)

Nachtrag 11.8.2015: Heute hatte ich das 1.000-Kilometer-Service beim Jahelka. Hat 175 Euro gekostet.

Unterwegs in Wien

• Ich bin im Auto jemand, der intelligent(er) im Verkehr schwimmt. Dadurch bin ich in Wien sehr flott unterwegs. Das halte ich auch auf der Vespa so. Ich habe immer genügend Zeit und stehe nicht unter Druck. Ich muss nicht mehr schnellstmöglich ans Ziel gelangen. Sondern gesund und mit Freude.

• Die ersten Kilometer war ich zum Eingewöhnen auf bekannten Strecken unterwegs. Ohne viel Verkehr, bei trockener Fahrbahn und auf Straßen ohne Schienen. Sicher ist sicher. Erst danach ging’s in die Stadt hinein. Da ich in einer hügeligen Wohngegend beheimatet bin, habe ich auch ruckzuck das mit dem Bergauf-Anfahren gelernt. Das muss ich ja bei jeder Ausfahrt machen. Beim Auto bin ich da mit Automatik und Berganfahrhilfe sehr verwöhnt.
P.S.#1: Nicht übermütig werden, wenn’s die ersten paar Kilometer schon besser als gedacht läuft.
P.S.#2: Wenn man sich beim Fahren im Stadtverkehr unsicher fühlt oder gar Angst hat, so sollte man vorher üben, üben und nochmals üben.
Nachtrag 11.8.2015: Nach 1.000 Kilometer unterwegs in Wien fühle ich mich schon richtig wohl. Ich fahre erfahrener und habe meine Vespa schon ganz gut kennengelernt. Und ich habe bisher KEINE einzige kritische Situation erlebt :-)
Nachtrag 6.4.2016: Nach fast 2.000 Kilometer in Wien kann ich meine obigen Aussagen bestätigen.

• Eine große Gewöhnung war das Blinken. Oder besser gesagt das Abstellen des Blinkers durch Drücken auf die Taste. Beim Auto ist man da ja elektronisch verwöhnt. Da bin ich sicherlich zig Kilometer blinkend gefahren. Aber es wird besser. Irgendwann habe ich das auch verinnerlicht.
Nachtrag 11.8.2015: Von 100x Blinken vergesse ich es nur mehr hin und wieder.
Nachtrag 6.4.2016: Ich vergesse nur mehr ganz, ganz selten aufs Blinken. Wie beim Autofahren.

• Weil es gleich thematisch dazu passt. Die S-tronic von meinem Audi hat einen Segelmodus. Das heißt, lasse ich das Fahrzeug rollen, so kuppelt es automatisch aus. Sehr gemütlich, ruhig und spritsparend. Klingt jetzt vielleicht sonderbar, aber das war auf der Vespa ebenso eine Umgewöhnung beim Fahren. Da sieht man wieder einmal, wie schnell ich Annehmlichkeiten vermisse, wenn sie woanders nicht vorhanden sind.

• Ich besitze glücklicherweise einen guten Gleichgewichtssinn. Den trainiere ich auch regelmäßig brav im Fitnessclub. Meistens am großen Ball sitzend, knieend und manchmal stehend in der Hocke. Und auch beim Zähneputzen oder beim Warten stehe ich viel – abwechselnd – auf einem Bein. Das zahlt sich dann in der Praxis aus – nicht nur beim Rollerfahrer.

• Was ich auf der Straße schnell bestätigt bekam: Viele AutolenkerInnen scheren sich nicht um uns Rollerfahrer. Weil sie nicht wollen, nicht können oder gar nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen. Das heißt: Vorausschauendes, passives Fahren ist eine Grundvoraussetzung. Aufpassen muss ich jetzt nur beim Motschgern und Gestikulieren, denn ich habe auf der Vespa kein versperrbares Drumherum zum Schutz.
Nachtrag 11.8.2015: Ich nehme das schon extrem gelassen und denke halt noch viel vorahnender.
Nachtrag 6.4.2016: Die ersten paar Tage im Roller-Jahr müssen sich die Autofahrer noch daran gewöhnen. Speziell die mit MD, BN und WU!

• Ich fahre mit der Vespa viel aufmerksamer und bewußter als mit dem Auto. Ohne Ablenkung durchs Smartphone oder andere Dinge. Eine ganz neue Erfahrung – herrlich :-)

• Was in Wien positiv ist: Ich darf mit dem Roller auf immer mehr Busspuren fahren – vorsichtig selbstverständlich! Das ist sehr angenehm und spart oftmals Zeit. Auf Wien.at gibt’s eine Auflistung der freigegebenen Busspuren.

• Als Hinweis, weil ich es interessehalber nachgelesen habe: Bei einem Stau auf der Autobahn (d.h. auch auf der Tangente) darf ich mit dem Roller weder auf dem Pannenstreifen noch in der Rettungsgasse an der Kolonne vorbeifahren. Die Strafen reichen hier bis zu 2.180 Euro.
Nachtrag 6.4.2016: Ich habe für heuer gar keine Vignette mehr genommen. Ich fahre ohnehin nicht auf der Tangente.

• Was mir taugt: Ich sitze ziemlich hoch und überblicke so wunderbar, was sich alles vor mir und rundherum abspielt.

Foto © Helmut Hackl

Geschützt bekleidet

• Wenn ich mit dem Roller unterwegs bin, so bin ich geschützt bekleidet. Auch bei angenehmeren Temperaturen. Mit einer atmungsaktiven Jacke – inklusive Protektoren an Ellbogen, Schultern und Rücken. Mit einer Hose, geschützt an Knien und Hüften – sowohl in Textil als auch (wenn ich auf Termin fahre) als Jeans. Mit Handschuhen, die einen guten Schutz für die Knöchel bieten. Denn ein Fakt ist in Stein gemeißelt: Es gibt keine schützende Knautschzone!
Nachtrag Juli 2015: Bei Temperaturen jenseits der 30°, bin ich luftiger geworden. Das haben mir ja viele Vespa-/Motorrad-Fahrer schon vorweg prophezeit. Die Hose wurde kurz und die Jacke weicht – wenn es ganz heiß ist – einem aufgeschnalltem Protektor. Oder ich fahre mit dem Auto.

• Eingekauft habe ich das alles beim Louis auf der Triester Strasse. Ein sehr freundliches und kompetentes Team, das sich auch um mich als Neuling bestens gekümmert hat. Somit eine Empfehlung meinerseits.

• Ich habe einen Original Vespa Jethelm, der passgenau unter die Sitzbank Platz passt. Zusammen mit den Handschuhen, dem Verbandskasten, dem Nierengurt und Gepäckspannern (ich habe mir auch gleich den hinteren Gepäckträger montieren lassen). Wer zudem sein Kinn schützen will, der sollte einen Vollvisierhelm nehmen.
Nachtrag Juli 2015: Ich habe mir mittlerweile auch einen Vollvisierhelm zugelegt. Für die kühlere Jahreszeit und wenn es tröpfelt.

• Schutz ist nicht nur bei einem Sturz von Vorteil. Nein, ich muß auch noch auf andere Dinge aufpassen, an die ich im Auto dank einer Windschutzscheibe gar nicht denke. Beispielsweise Insekten oder aufgewirbelte Steine. Deshalb trage ich immer eine Sonnenbrille – beispielsweise eine Reborn Sports Mamba mit Polycarbonat-Gläsern – oder ich klappe das Visier herunter.
Nachtrag 11. August 2015: In Wien habe ich mir das schlimmer vorgestellt. Ist bisher völlig problemlos.

Das Parken

• Wofür ich in der Garage geübt habe, das war das Hochhieven auf den Hauptständer. Damit ich mich dann beim Parken auf der Straße nicht blamiere. Seit ich den simplen Dreh (es ist ja Physik) heraußen hatte, ist es eine Spielerei.

Vespa in Garage - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Daheim parkt die Vespa in der Garage. Das heißt, sie steht im Geborgenen und ist keinem Wetterkapriolen ausgesetzt. Sonst müßte ich mir mehr Sorgen um die Pflege machen. Sie steht entweder quer vor oder hinter meinem Auto. Zum Einsatz kommt dafür eine kompakte Rangierhilfe. Entschieden habe ich mich dabei fürs Rangier-As GP-300 von Becker-Technik.
Nachtrag 6.4.2016: Die Rangierhilfe war eine leiwande Investition!

Becker Rangierhilfe - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

Weil ich eine Empfehlung dafür bekam, weil dort aus der Praxis entwickelt wird und weil Simon Becker eine hervorragende Beratung macht. Genommen habe ich die Version mit den gummierten Kugellager-Rollen, da diese – wie ich von Simon erfahren habe – besser bei Unebenheiten und Steine am Betonboden drehen. Klappt in der Praxis einwandfrei. Zu beachten ist lediglich der leicht erhöhte Kraftaufwand beim Hochhieven der Vespa.

Vespa in Garage mir Becker Rangierhilfe - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Zum Einwintern werde ich die Vespa dann zum Jahelka (dort habe ich meine Vespa auch gekauft) stellen. Da ist sie bestens aufgehoben, wird im Frühjahr gleich gewartet und beim Abholen ist das neue Pickerl auch gleich erledigt. Das ist mir das Geld wert, da ich mich um nichts kümmern muss.
Nachtrag März 2016: Die 5-Monate Überwinterung inkl. Frühjahrs-Kur und Pickerl hat etwa 250 Euro gekostet. Für mich ideal.

Vermischtes

• Die Autobahn-Vignette habe ich leider auf die Karosserie kleben müssen. Zuerst wollte ich FixItEasy verwenden, aber dafür gab’s einfach keinen Platz an der GTS Super. Ich hoffe, dass ich die Vignette dann nächstes Jahr wieder ohne Lackschäden herunterbekomme. Beim Pickerl darf sich die Werkstätte darum kümmern :-)
Nachtrag März 2016: Das Pickerl hat der Jahelka gerne für mich abgeschabt. Kostenlos :-)

• Damit ich nicht unbemerkt den Zündschlüssel stecken lasse, habe ich mir einen BiiSafe Buddy zugelegt. Der hängt am Vespa-Schlüssel und ist per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Sollte sich die beiden zu weit voneinander entfernen, dann bekomme ich eine Meldung. Für diesen und manch andrem Zweck überaus praktisch.

BiiSafe Buddy am Vespa-Zündschlüssel - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Das Thema GPS-Navigation habe so gelöst: Ich habe mir ein Billigsdorfer Lumia 630 Smartphone mit Navi-App gekauft. Mit den Komponenten von RAM-Mount bin optisch nicht glücklich geworden. Aber das ist nicht so dringend, da ich mich in Wien ohnehin ganz gut auskenne.
Nachtrag 8.6.2015: Meine Halterung fürs Smartphone

• Beim Tanken bin ich vorsichtig mit dem Hineingeben-Herausnehmen des Zapfhahns, damit kein Super außerhalb der Tanköffnung fließt. Notfalls wische ich es sofort weg.

• Auch ein Vespa will sauber sein. Die Sitzbank wische ich mit einem weichen Tuch ab und verwende ein entsprechendes Pflegemittel. Die Karosserie bekommt eine kurze Handwäsche oder ich fahre zur Tankstelle und sprühe sie vorsichtig mit dem Hochdruckreiniger ab.

• Ich bin ein Schönwetter-Fahrer bei wärmeren Temperaturen. Als solcher brauche ich – neben dem Blick aus dem Fenster – auch eine Wetter-App am Smartphone.
Nachtrag März 2016: Auf meinem neuen iPhone 6s läuft Celsius.

Gute Fahrt und auf eine feine Vespa-Saison!

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19 Kommentare

  1. Andreas M. 7. Mai 2015
    • Helmut Hackl 7. Mai 2015
    • Wolfgang 13. August 2015
  2. Andreas M. 7. Mai 2015
    • Helmut Hackl 7. Mai 2015
  3. Andreas M. 7. Mai 2015
  4. Wolfgang 7. Mai 2015
    • Helmut Hackl 7. Mai 2015
      • Wolfgang 7. Mai 2015
  5. Thomas 7. Mai 2015
    • Helmut Hackl 7. Mai 2015
  6. Phil 8. Mai 2015
  7. Georg 12. August 2015
    • Helmut Hackl 12. August 2015
  8. Georg 1. Februar 2017
    • Helmut Hackl 1. Februar 2017
      • Georg 1. Februar 2017

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