Begeisterung – ich war zwei Tage mit dem Piaggio MP3 LT unterwegs

Piaggio MP3 Roller - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

Ich bin bekanntlich in Wien begeistert mit meiner Vespa GTS Super unterwegs – zumindest bei Schönwetter. Das erspart mir viel Fahrzeit, ich brauche keinen Parkplatz zu suchen und Parkgebühr habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen. Neben der eleganten Vespa interessiert mich schon länger ein anderer Roller: Der MP3 von Piaggio mit seinen drei Rädern. Und den hat mir der Faber als Pressefahrzeug für zwei Tage zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt …

Es gibt für mich drei Sachen, bei denen der Piaggio MP3 gegenüber meiner Vespa GTS Super 125 punktet:

• Mir taugt die erhöhte Sicherheit von drei Rädern im Stadtverkehr – man denke dabei nur an Schienen.

• Der MP3 bietet viel mehr Platz unter der Sitzbank. In die Vespa passen der GTS-Helm und ein paar Kleinigkeiten hinein. In die MP3 locker zwei Helme, eine Jacke und auch etwas größere Gegenstände. Sogar der klassische Haken ist – etwas versteckt – vorhanden.

Piaggio MP3 Roller - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Ich darf den MP3 LT ob der Konstruktion automatisch mit dem B-Führerschein fahren. Da ich nie einen A-Führerschein gemacht habe, bin ich bei der Vespa auf die 125er mit 15 PS / 12 Nm festgelegt. Ausreichend für den Stadtverkehr – aber manchmal wäre es doch ganz leiwand, mehr Kraft unterm Hintern zu haben – wie beim MP3 mit etwa 40 PS und 46,5 Nm (aus 493 ccm).

Ein paar Erfahrungen mit dem MP3 in der Praxis – im Vergleich zu meiner Vespa

• Ich fahre mit dem MP3 vollautomatisch, ohne selbst schalten zu müssen. Für mich auch bei der Vespa und beim Auto eine Voraussetzung.

• Die Beschleunigung ist tadellos. Da steht jederzeit ausreichend Durchzug zur Verfügung. Flotte Überholmanöver auf der Landstrasse absolvierte ich damit ganz locker. Schade, dass der MP3 – ohne mich – schon 280 Kilogramm auf die Waage bringt. Denn sonst wäre es noch rasanter.

Piaggio MP3 Roller - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Die Vespa schafft knapp über 100 km/h, der MP3 über 140 km/h. Damit stehen genügend Reserven auf der Landstrasse zur Verfügung. Und auch eine Fahrt auf der Autobahn ist problemlos möglich. Zudem sind beim MP3 der Fahrkomfort und die gefühlte Sicherheit bei höheren Geschwindigkeiten eindeutig besser.

• Der Sound ist OK. Ich würde mir aber trotzdem einen Auspuff von Akrapovič montieren lassen.

• Die Kurvengeschwindigkeit mit dem MP3 kann ganz schön hoch ausfallen. Wenn man sich traut. Auf alle Fälle ist das Herantasten eine aufregende Angelegenheit. Macht Spaß!

• Die Scheibenbremsen (vorne 2x 258mm, hinten 240mm) beißen halbwegs ordentlich zu. Trotz des hohen Gewichts des Rollers. Für mich ganz entscheidend: ABS und ASR sind – wie auch bei meiner Vespa – vorhanden.
Apropos Bremsen: Der MP3 besitzt noch zwei zusätzliche Bremsen. Eine Fußbremse und eine Parkbremse.

• Der MP3 verursacht höhere Kosten in der Erhaltung. Dabei ist weniger der Super-Treibstoff relevant (grob geschätzt ca. 1 bis 1,5 Liter Mehrverbrauch gegenüber meiner Vespa), sondern die teurere Teilkasko-Versicherung (über 400 Euro pro Jahr) und der Anschaffungspreis von knapp 9.000 Euro.

• Beim Durchschlängeln in einer Kolonne ist die Vespa dem MP3 ganz klar überlegen. Mit dem MP3 wird’s da manchmal doch zu eng. Aber das Vorbeigleiten muss ja nicht immer unbedingt sein. In der Stadt hat damit – aus meiner Sicht – die Vespa ganz klar die Nase vorne.

Piaggio MP3 Roller - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Der MP3 ist schwer. Sehr schwer. In etwa 280 Kilogramm. Damit erfordert das Hochhieven ganzen Körpereinsatz. Und leicht abschüssiges Parken mit den Vorderrädern zum Randstein gehören unbedingt vermieden, denn der Roller ist dann kaum zu Schieben. Da wäre ein Retourgang fast schon eine überlegenswerte Sache. Gut, dass ich regelmäßig die Kraftkammer besuche – das hat sich hier bezahlt gemacht :-)

• Die fast 30 Zentimeter Mehrlänge gegenüber der Vespa (2,21m gegenüber 1,93m) macht sich beim Einparken bemerkbar. Da ist mehr Platz notwendig, was manchmal ein bisserl Schrägerparken erfordert. Zudem ist bei mir in der Garage das Quer-vorm-Auto-Stehen Millimeterarbeit.

• Bei der Sitzhöhe habe ich mich nicht umgewöhnen müssen. Die ist bei beiden Rollern identisch und für meine Körpergröße passend. Sitz- und Fahrkomfort sind überaus angenehm. Besonders das entspannende Sitzen –  bei arretierten Rädern – an der Kreuzung habe ich genüßlich ausgekostet. Fast eine Art Entschleunigung.

Piaggio MP3 Roller - Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Achtung: Beim Stehenbleiben – beispielsweise an der Kreuzung – ist ein Umfallen trotz der beiden Vorderräder vorprogrammiert, wenn man nicht rechtzeitig den Schalter zum Arretieren vergißt und die Füße oben lässt. Ist aber eine Sache der Gewöhnung und klappte bei mir nach ein paar Anhaltungen schon fast vollautomatisch.

• Angemerkt: Da der MP3 ein mehrspuriges Fahrzeug ist, müssen in Wien Kurzparkgebühren bezahlt werden. Damit entfällt ein finanzieller Vorteil. Theoretisch. Im tagtäglichen Leben wird das – wie mir auch andere MP3-Fahrer erzählt haben – von den Parksheriffs nicht geahndet. Somit habe ich es gedanklich abgehakt.

Vespa oder Piaggio MP3?

Eine leichte Entscheidung: Die Vespa für die Stadt, den MP3 für Überland und Autobahn. Doch zurück zur Realität: Für meine Nutzung – ich bin damit hauptsächlich in Wien unterwegs – ist eine Vespa eindeutig die bessere Wahl. Viel leichter, viel wendiger.

Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

Zusammengefasst: Das Herümdüsen mit dem Piaggio MP3 hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Schade, dass ich ihn nur zwei Tage hatte. Bei Interesse: Unbedingt ausprobieren!

Extratipp: Bis Ende des Sommers kann man den MP3 zwei Tage testfahren und bekommt dann, wenn man sich zum Kauf entschließt, einen Preisnachlass von 1.600 Euro. Bei Interesse sicherlich eine leiwande Gelegenheit!

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