Vello Bike+: mein elektrisches Faltrad mit KERS – yeah! [Update]

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad - Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad – Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Nach einem Jahr Wartezeit mit diversen Verzögerungen war es jetzt endlich soweit. Ich holte mir mein funkelnagelneues Vello Bike+ ab. Das ist ein Faltrad mit selbstladendem Elektroantrieb in der Radnabe – inklusive KERS (Energierückgewinnung). Hier meine ersten Erfahrungen …

Ich habe mir eine Riesenfreude gemacht und einen langgehegten Wunsch erfüllt: ein elektrisches Faltrad. Ein Bike+ von Vello. In Silber. Mit Scheibenbremsen und Riemenantrieb. Aus vier Gründen fiel meine Entscheidung auf dieses Modell: Minimalismus, überall mitnehmbar, KERS und es sieht verdammt gut aus.

Magnetisches Falt- und Federungssystem – pipifein

Bei einem Faltrad ist selbstredend der Faltmechanismus eine wichtige Sache. Der muss zuverlässig und ruckzuck funktionieren. Beim Bike+ schaut das so aus:

• Das Fahrrad lässt sich falten, um es danach bequem rollen zu können. Durch einen schnellen Ruck mit dem Fuß schwingt dabei das Hinterrad nach vorne. Dadurch reduziert sich die Gesamtlänge um knapp die Hälfte. Das ist dann praktisch beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in engeren Liften.

Als Hinweis: Klappräder gelten bei den Wiener Linien als Gepäckstück. Somit jederzeit und kostenfrei mitnehmbar!

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad - Foto @ Vello

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad – Foto @ Vello

• Voll gefaltet lässt sich das Fahrrad kleinstmöglich für den Transport herrichten. Zum Beispiel im Kofferraum des Autos oder zum Mitnehmen auf Termine. Die Größe beträgt in diesem Zustand lediglich 57x79x29 cm.

• Ein Magnet verbindet das Hinterrad mit dem Fahrradrahmen. Das sorgt für Stabilität beim Fahren und funktioniert in der Praxis pipifein.

• Beim Zusammenklappen bleibt der Riemen auf Spannung.

KERS wie bei Rennautos – das hat mich überzeugt

• Eine Besonderheit des Bike+ ist nicht nur die elektrische Unterstützung beim Radeln, sondern dass der Akku selbstladend ist. Das heißt, dass er sich während des Fahrens automatisch immer wieder auflädt. Nennt sich “Integrated Kinetic Energy Recovery System”. KERS – fast wie in der Formel 1. Das KERS greift beim Bremsen, beim Bergabfahren, beim Pedaleinsatz sowie bei Rückenwind.

• Der Antrieb von Zehus in der Radnabe ist – dank mehrerer Sensoren – “mitdenkend”. Das heißt, er “weiß”, was ich machen will und bringt passend Leistung. Der 250W Elektromotor liefert sechs wählbare Antriebsunterstützungen, die sich – auch während der Fahrt via App umschalten lassen. Das ergibt eine “unbeschränkte” Reichweite oder bis zu ca. 35 Kilometer (real eher in Richtung 25km) im Turbo-Modus.

• Der Fahrmodus lässt sich ausschließlich per App umstellen. Das Fahrrad merkt sich die letzte Einstellung und aktiviert diese, sobald ich 10 km/h schnell bin und 3x mal nach hinten getreten habe. Es stehen sechs Stufen bereit: Turbo (volle Leistung), E-Bike (etwas sanfter als Turbo), Reichweite 1/2/3 (Hybrid bis zu 55/70/89 Kilometer Reichweite), Bike+ (der Automatikmodus). Mit unterschiedlicher Unterstützung und Reichweite mit einer Akkuladung. In der Stadt verwende ich meistens “Bike+” für die Hinfahrt und Turbo für die Heimfahrt (da ich auf einem Hügel wohne).
zur Geschichte über bitride MyBike-App >

• Ein Beispiel aus dem Alltag: Nach ca. 25 Kilometer (eben, leichte Steigungen) gemischt im Bike+ & Turbo-Modus sind noch 65% Restladung vorhanden. Bei Volllast im Turbo-Modus sind allerdings keine 20 Kilometer drinnen.

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad - Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad – Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Der Akku lässt sich bei Bedarf an der Steckdose laden. Das Ladekabel ist im Lieferumfang dabei. 100% sind in maximal drei Stunden erreicht.

• Eine Akku hält bekanntlich nicht ewig. Angegeben sind ungefähr 3.000 Ladezyklen. Beim Bike+ ist er tauschbar und finanziell leistbar, da er nicht so massiv ist.

• Der Antrieb ist möglichst leicht konzipiert. Die Batterie selbst hat unter ein Kilogramm, der ganze Antrieb ungefähr 3,2 kg. Das Gesamtgewicht – mit Zubehör – liegt so bei 16 Kilogram. Somit – für mich – locker tragbar.

• Bei Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h und Steigungen bis zu 8% übernimmt der Motor die Funktion einer Schaltung. Darüber hinaus wird ob der gesetzlichen Vorschriften abgeschlatet. Höhere Geschwindigkeiten erfordern daher – durch die kurze Übersetzung – reichlich flottes Treten. Denn ich habe bewußt auf die – teure – Eingangschaltung verzichtet.

• Wenn im Sommer die Außentemperatur höher ist und der Motor auf Volllast läuft, dann beginnt er leicht zu überhitzen.

Ein paar Infos zur Ausstattung

• Es stehen zwei Bremssysteme zur Auswahl: Felge oder Scheibe. Ich habe mich für die hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano entschieden. Trotz etwas Aufpreis und 300 Gramm Mehrgewicht. Und die packen ordentlich zu.

• Beim Antrieb heißt die Entscheidung: Kette oder Riemen. Ich nahm den wartungsärmeren Karbonriemen.

• Die integrierten Rück- und Front-LED-Lichter können entweder durchgehend leuchten oder blinken. Die Energie kommt aus kostengünstigen – wechselbaren – Standard CR2032 Knopfzellen. Hinweis: Dabei handelt es sich um nicht StVO-konforme Positionsleuchten. Ich habe mir deshalb bei Bike-Components ein Knog Blinder MOB USB LED Twinpack mit StVZO-Zulassung gekauft. Das ist ein – für meine Nutzung – guter Kompromiss von Aussehen und Notwendigkeit.

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad - Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad – Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Bekundet wurde mir, dass 20″ Räder die ideale Größe für ein Klapp-Pedelec sei. Montiert sind Schwalbe Kojak 40-406 mit AV/Auto/Schrader-Ventil. Mit einem Druckbereich von 4 bis 7 bar.

• Als Sattel ist ein sportlicher Viento von Selle Royal mit Schaum-Matrix montiert. Mein Hinterteil fühlt sich darauf nicht ganz wohl. Somit habe ich ihn gegen einen Selle Royal EZone getauscht. Gleich viel bequemer.

• Beim Rahmen kann man zwischen Weiss, Schwarz und Silber wählen. Mein Wahl fiel auf Silber, obgleich mir auch Weiß gefallen hätte.

bitride App am Smartphones

• Es wurde keine eigene App entwickelt, sondern auf Bewährtes für den genutzten Zehus-Antrieb gesetzt. Auf bitride. Die MyBike-App gibt’s kostenfrei fürs iPhone und für Android-Smartphones. Mit Verbindung über Bluetooth zum Bike+. Mit Funktionen wie Hinterrad blockieren, GPS Tracking sowie ein Dashboard (z.B. aktuelle Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke, Steigung, Motorleistung, Rekuperation, Akkuzustand in Prozent).
zur Geschichte über bitride MyBike >

• Das Bike+ passt für alle Körpergrößen zwischen 1,50 und 2,10 Meter. Nur über 100 Kilogramm sollte man nicht auf die Waage bringen. Ich würde mir – bei meinen 1,82m – einen höheren Lenker wünschen. Das würde den Druck auf die Handballen reduzieren. Da ich ausreichend Körperspannung und Bauchmuskeln habe, ist das andererseits gleich ein gutes Zwischendurchtraining ;-)

• Im Lieferumfang dabei sind die passenden Rückstrahler, damit das Rad StVO-konform ist. Macht das Bike+ allerdings nichts hübscher.

• Da mir die Griffe ob der fehlenden Federung und des starren Lenkers nicht zusagen, war ich auf der Suche nach Ersatz. Gekauft habe ich mir bei BikeStore.cc die Komfortgriffe BBB ErgoTech BHG-82.

• Bei der Halterung für mein Smartphone (ein günstiges Xiaomi Mi A1 in einem stabilen Cover) habe ich ein SP Connect Bike Bundle genommen. Minimalistisch und stabil.

Passendes Zubehör dazu

Es stehen ein paar Optionen bereit, die man gleich mit- oder nachbestellen kann. Ich habe mir folgende Sachen dazugenommen:

• faltbare Schutzbleche vorne & hinten – auch abnehmbar
• Seitenständer
• Front-Gepäckträger – abnehmbar
• Transport”tasche”
• Umhängetasche
• Klingel

Das passt dann alles gleich wunderbar zusammen. Allerdings werden die Schutzbleche und der Gepäckträger erst “in Bälde” nachgeliefert. Aber ich wollte jetzt nicht noch länger warten.

SP Connect Bike Smartphone-Halterung am Vello Bike+ - Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

SP Connect Bike Smartphone-Halterung am Vello Bike+ – Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Ich habe auch schon passendes, notwendiges Zubehör gekauft. Zum Beispiel einen zusammenlegbaren Closca Fuga Helm, ein Cycloc Loop (minimalistische Ablage für den Fahrradhelm und Kleinigkeite), eine JoeBlow Standpumpe (gekauft bei Amazon – affiliate link), eine Lezyne Minipumpe CNC Pressure Drive (gekauft bei Amazon – affiliate link), einen BV Flaschenhalter aus Alu (gekauft bei Amazon – affiliate link), eine Keego Trinkflasche sowie eine OB8 Fahrradtasche (aus Waxed Canvas) mit Lederriemen (Amazon affiliate link).

Zum Thema Schutz der Investition

Bei einem Fahrrad um um ein paar Tausender darf selbstverständlich das Thema Schutz nicht fehlen. Was schon mal beruhigend ist: Ich kann das Rad fast überall zusammengeklappt mitnehmen. Das schränkt die Möglichkeit eines Diebstahl gravierend ein. Muss ich das Fahrrad dennoch wo abstellen, so treffe ich ein paar Schutzmaßnahmen:

• Das Hinterrad lässt sich per App blockieren – solange ein bisserl Saft im Akku ist. Das ist allerdings keine fixe Sperre, da sich das Rad weiterhin – mit stärkerem Widerstand – rollen lässt.

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad - Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad – Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

• Ich habe mir ein hochwertiges, flexibles Fahrradschloß für Rahmen und Räder zugelegt. Ein Litelok Gold Wearable.

• Ich werde eine passende Diebstahlversicherung abschließen oder die bestehende Haushaltsversicherung – falls möglich – erweitern. Falls die monatlichen Kosten halbwegs passen.

• Falls das Troja Bike jemals Realität wird, dann werde ich diesen GPS-Sender in den Rahmen fallen lassen. Das ist die effizienteste, “unsichtbarste” Ortungslösung bei Diebstahl / Verlust, die ich bisher sah.

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad - Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Vello Bike+ selbstladendes Elektro-Faltrad – Foto @ Helmut Hackl | Mobility Lounge

Modelle & Preise

Die UVPs des elektrischen Vello Bike+ starten – derzeit – bei ungefähr 2.900 Euro und reichen bis knapp unter 4.500 Euro. Je nach gewünschter Ausstattung bei Rahmenmaterial, Bremsen und Antrieb. Ich habe mich für die goldene Mitte entschieden. Fürs Bike+ mit Scheibenbremsen und Karbonriemen mit einem UVP von ungefähr 3.300 Euro. Trotz reduziertem Crowdfounding-Sonderpreis habe ich vor der Bestellung doch ein paar Mal kräftig ob der Investition geschluckt. Kein billiges Vergnügen, aber manchmal gönne ich mir auch so eine Freude.

Vello Bike+ – mein Fazit

Ich bin nach den ersten paar Kilometern mit dem Vello Bike+ sehr zufrieden. Es erfüllt alle meine Erwartungen, die Verarbeitung ist tadellos, ich fühle mich beim Radeln wohl, die elektrische Unterstützung ist wohltuend, die Beschleunigung (im Turbo-Modus) ist beeindruckend, die Shimano-Bremsen greifen ordentlich zu und der Klappmechanismus ist überaus praktisch.

Da ich ohnehin zu 99% auf befestigten Untergrund fahre, stört mich die nicht vorhandene Federung nicht dramatisch. Das Ding ist brettlhart beim Fahren!

Da ich nicht zu flott düse, habe ich bewußt auf die teure Schaltung verzichtet und trete im Fall der Fälle eben emsiger. Diese beiden Punkte sind aber sicherlich bei der Anschaffung zu beachten.

Wer ein komfortables Elektro-Rad für Überland oder längere Ausfahrten sucht, der wird mit dem Bike+ nicht so glücklich werden. Es ist für die Stadt konzipiert.

Wem der Anschaffungspreis nicht abschreckt, der sollte einen Blick auf das Vello Bike+ machen. Ein tolles Klapprad für die Stadt.

12 Kommentare

  1. Vellofan 17. Mai 2018
    • Helmut Hackl 17. Mai 2018
  2. Vellofan 26. Mai 2018
    • Helmut Hackl 26. Mai 2018
  3. Anonymous 22. Juni 2018
    • Helmut Hackl 22. Juni 2018
  4. Vellofan 27. Juni 2018
    • Helmut Hackl 27. Juni 2018
  5. Greg 11. Juli 2018
    • Helmut Hackl 11. Juli 2018
  6. Greg 12. Juli 2018

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