Wortspende aus der Praxis: von einem Blog gut leben

Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

Foto © Helmut Hackl | Mobility Lounge

Einen Blog zu publizieren, bei dem keinerlei finanzielle Gedanken ein Rolle spielen, ist für mich ganz simpel zu realisieren. Doch da ich mit meiner Mobility Lounge Geld verdienen will / kann, beginnt’s ein bisserl komplizierter zu werden. Denn es gilt Konsequenzen zu beachten, die sich automatisch ergeben. Hier ein paar persönliche Gedanken aus meiner langjährigen Selbstständigkeit …

Hinweis: Wenn das Ziel darin liegt, einen Blog mit Hunderttausenden Besuchern monatlich zu haben, um von Werbebannern, Affiliate Programmen & Co. leben zu können, dann treffen manche der folgenden Punkte nicht mehr zu. Das ist allerdings nicht mein Ziel mit der Mobility Lounge!

• Wenn ein Unternehmen Geld in einen Blog investiert, dann will es auch eine Gegenleistung für seine Euros. No na net. Kaum jemand macht in der beinharten Wirtschaft noch Geschenke. Wie stark sich das dann auf den Blog auswirkt, ist eine individuelle Geschichte. Es ist nur ganz wichtig, diese Tatsache zu wissen.

• Wenn man Werbegeschichten als Redaktion verkauft, dann heißt es höllisch aufpassen, worauf man sich da einlässt. Ich würde das immer ersichtlich als Werbung kennzeichnen oder überhaupt gleich komplett darauf verzichten. Das Publikum gutiert dies nicht positiv.
P.S.: Die meisten Anfragen in diese Richtung bieten ein Budget von etwa 50 bis 80 Euro pro Artikel. Darüber diskutiere ich erst gar nicht und ignoriere gleich automatisch alle Anfragen dieser Art.

“Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.” – Oscar Wilde

• Gute Geschichten kosten viel, viel Zeit. Und Zeit ist nicht nur für einen selbstständigen Blogger ein kostbares Gut, das man dann lieber in zahlende Kunden investieren sollte. Die werden – fast – immer Priorität haben, wenn man mit seinem Blog Geld verdienen will.

• Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein guter Test eines Geräts verbraucht in Summe Tage. Das gehört dann zur besseren Veranschaulichung in Euro umgerechnet. Da läppern sich eine Menge Euros zusammen, die man einem Unternehmen schenkt, wenn man diese Zeit in Geld umrechnet. Darüber sollte man nachdenken. Die Unternehmen selbst sehen das meistens (noch) nicht so.

• Viele Unternehmen leisten sich eine Presseagentur. Und bezahlen der gutes Geld, damit sie uns Bloggern mit Superlativen vollbepackte Pressemeldungen schickt. Das Geld könnte man auch gleich direkt in uns Blogger investieren, denn ich schmeiße diese Meldungen ohnehin in den virtuellen Mistkübel – ungelesen. Oder ich lasse mich gleich vorm Verteiler löschen, nachdem ich meinen Unwillen darüber geäußert habe. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden.

• Wer nicht wirbt, der kommt redaktionell nicht vor. Das Thema begleitet mich schon seit über 30 Jahren. Da liegt zwar ein Funken Wahrheit drinnen, in der Praxis spielt’s das aber nicht. Denn sonst gehen einem vielleicht ganz schnell spannende Themen aus. Also den Gedanken gleich wieder verdrängen. Ich persönlich habe dazu eine galante Lösung gefunden, die ich aber nicht verrate :-)

• Ich stelle Unternehmen oftmals die provokante Frage, ob es sie nicht stört, dass sie in Blogs laufend mit Geschichten vertreten sind und dort kein Geld investieren? Ob das nicht eine Art “schmarotzen” sei, wenn andere dafür bezahlen? Große Verwunderung habe ich noch nie ausgelöst. Habe ich aber auch nicht anders erwartet.

• Blogs haben in Österreich bei vielen Unternehmen noch immer nicht den Status, wie ihn gedruckte Medien haben. Gesprochen aus langjähriger Praxis in beiden Welten. Völlig unverständlich, aber leider ein Fakt. Und dann müsste ich noch übers Geld plaudern. Interessante Gespräche, wenn es überhaupt dazu kommt.

• Bei Verlagen gibt’s meistens noch eine – strikte – Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung. Zumindest theoretisch. Das wird sich ein Blog in Österreich kaum leisten können. Ein spannender Interessenkonflikt, den man unbedingt mich sich selbst klären muss, bevor man sich fürs Geldverdienen mit dem Blog entscheidet.

• Ein wichtiges Credo: Nicht unter dem eigenen Wert verkaufen. Als kleine gedankliche Unterstützung: Legt einen Stundenlohn fest und rechnet jegliche investierte Zeit immer in Stunden um. Probiert das mal mit einer Einladung zu einer Veranstaltung aus. Inklusive Anreise, Heimfahrt, Fahrtkosten, Parkgebühren, … Und auch hier: Wir Blogger investieren Zeit und somit Geld, um es dem Unternehmen anschließend zu schenken. Immer interessant mit Unternehmen aus dieser Sicht zu diskutieren.

Das waren jetzt ein paar Punkte, die aber genügen dürften, um übers Thema Geldverdienen mit dem Blog nachzudenken. Wer den Schritt wagen will: viel Erfolg!

P.S.: Ich spreche nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis. Denn schließlich lebe ich seit nunmehr 18 Jahren von pocket.at | Mobility Lounge. Und das erfreulicherweise sehr komfortabel :-)

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