Ausprobiert: La Specialista – Siebträger mit Kaffeemühle, Tamperstation und einem Hauch Vollautomat

De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

Die La Specialista von De’Longhi ist eine interessante Kaffeemaschine. Es handelt sich um einen Siebträger. Allerdings gleich mit eingebauter Mühle und einem seitlichen Hebel zum Tampern – wie bei einem einarmigen Banditen in Las Vegas. Und die Dampfdüse (Milchschäumer) funktioniert ohne Anreiß- und Rollphase – einfach d’runterhalten und zusehen. Alles verpackt in einem Edelstahlgehäuse mit Chromelementen. Das hat mein Interesse geweckt und somit habe ich mit reichlich Bohnen ausgiebig getestet …

Warum die La Specialista (Typenbezeichnung EC9335.M) mein Interesse weckte, ist einfach zu beantworten: Ich bekomme einen klassischen Siebträger, jedoch mit manch Bequemlichkeiten, die sonst bei einem Vollautomat zu finden sind. Dazu gehören die integrierte Mühle, der Tamper-Hebel und der komfortable Milchschäumer. Aber der Reihe nach.

Die Mühle und die integrierte Tamperstation

Beginnen wir gleich mit der Mühle. Das integrierte Kegel-Mahlwerk ist aus gehärtetem Stahl. Zwei Sensoren sorgen für einen optimalen Mahlgrad und die passende Menge Kaffeepulver bei jedem Mahlvorgang. Praktisch ist der eingebaute Bohnensensor. Denn der erkennt, wenn der Vorrat nicht mehr für die nächste Zubereitung ausreicht – damit nicht unnötig gestartet wird. Für unterschiedliche Mahlgrade stehen sechs Stufen zur Verfügung – von fein bis grob. Die Stufe 1 ist bestens für Espresso. Das Mahlwerk selbst ist beim Arbeiten angenehm leise. Der Bohnenbehälter fasst 250 Gramm.

Anregung: Ich bevorzuge immer – möglichst – frisch geröstete, hochwertige Bohnen von Kleinröstereien. Niemals Kaffee aus dem Supermarkt oder von Massenanbietern.

Der Siebträger kann mit zwei Einsätzen bestückt werden: Für eine Tasse oder für zwei Tassen. Er wird direkt unter die Mühle in die vorgesehene Arretierung geklemmt und das Mahlen beginnt dann automatisch. Was mir fehlt: Ein Blindsieb zur Reinigung.

Sobald das gemahlene Kaffeepulver drinnen ist, geht’s ans Tampern. Mit Spaßfaktor. Denn dazu wird – wie bei einem Spielautomaten – der seitliche Hebel heruntergedrückt. Das erzeugt einen konstanten Anpressdruck von 20kg. Danach wird der Siebträger entnommen und gleich daneben für die Zubereitung eingeklemmt.

Hebel zum Tampern - De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
Hebel zum Tampern – De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

In der Praxis war ich anfangs vom Tamper nicht ganz überzeugt. Denn es wird am Rand doch etwas Pulver oben liegen gelassen – wie am Foto zu sehen. Ich habe das ein paar Mal probiert und das Ergebnis war immer identisch. Danach habe ich angefangen, zweimal zu tampern. Das war dann doch etwas zu fest. Was ich herausfand: Es kommt auf die Menge an Kaffeepulver an sowie auf das Zusammenspiel von Hebelbewegung und Dauer. Hier wären ein paar Anregungen von De’Longhi doch hilfreich, was da die beste Art ist. Das könnte Anfänger anfangs ein wenig beschäftigen.

Für die Zubereitung kein gravierendes Problem, aber da ist noch Luft nach oben. Auf alle Fälle eine Beschäftigung für alle, die häufiger die Sorte wechseln wollen. Zudem ja dann für einen “perfekten” Espresso u.a. noch die Wassermenge passen sollte.

Ergebnis nach dem Tampern - De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
Ergebnis nach einmaligem Tampern – De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

Der Siebträger mit einem Hauch von Vollautomat

Jetzt kommt “der Hauch” von Vollautomaten dazu. Eine Art halbautomatischer Siebträger. Denn ich kann automatisiert nicht nur Espresso zubereiten. Es gibt einen eigenen Drehregler mit Arretierungen für Espresso, Kaffee und Americano. Ich kann meine bevorzugte Einstellungen unter “My Coffee” speichern und mit einem Tastendruck abrufen. Das sorgt für zusätzliche Bequemlichkeit – speziell für Kaffeegenießer, die sich erstmalig einen Siebträger anschaffen wollen.

Espresso, Americano oder Coffee - De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
Espresso, Americano oder Coffee – De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

Was sonst noch erwähnenswert ist:
• Die Leistung liegt bei 1.450 Watt, der Pumpendruck bei 19 bar.
• Ein eigenes System sorgt beim Brühen für eine Wassertemperatur zwischen 88°C und 92°C. Die Temperatur lässt sich bei Bedarf von “Standard” auf “heiß” erhöhen.
• Vorhanden sind diverse Status- und Warn-Lamperl – damit immer klar ist, was so abläuft.
• Es gibt eine große, mittig platzierte Druckanzeige mit den Bereichen “Pre-Infusion” und “Optimal Zone”. Plus einen roten Bereich, wo der Zeiger niemals stehen sollte. Ich sehe das eher als “Spielerei”, denn als Nutzen. Aber es wird optisch professionell.

Druckanzeige De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
Druckanzeige De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

• Mit einer eigenen Taste lässt sich heißes Wasser entnehmen. Zum Beispiel für Tee.
• Die Tasten sind hintergrundbeleuchtet.
• Der Wassertank hat eine Kapazität von etwa 2,5 Liter und lässt sich zum Entnehmen leicht nach oben herausschieben.
• Für kleine Tassen (z.B. für Espresso) lässt sich die Abstellfläche nach oben aufklappen.
• Die Abtropfschale ist herausnehmbar.
• Neben der Mühle ist Platz zum Abstellen von Tassen.
• Es ist ein eigener Ein-/Aus-Schalter vorhanden. Wenn man vergisst, dann mit automatischer Abschaltung.
• Die Abmessungen der Maschine betragen 315x369x445 mm (LxBxH), das Gewicht liegt bei 13 Kilogramm.

Dampfdüse zum Milchschäumen - De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
Dampfdüse zum Milchschäumen – De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

Eine Dampfdüse zum Milchschäumen ohne Anreiß- und Rollphase

Muss man zum Milchschäumen mit der Dampfdüse eines Siebträgers mit Anreiß- und Rollphase arbeiten, so erspart man sich das hier. Milchkanne (immer kalte Milch einfüllen) einfach d’runterhalten, “Flat oder “Foam” wählen und den seitlichen Knopf drehen. So gelingt immer ein perfekter Milchschaum – oder heiße Milch. Ein passendes, kleines Milchkännchen ist im Lieferumfang gleich mit dabei.
Angemerkt: Da die Maschine zwei Thermoblöcke hat, kann nebenbei gleichzeitig auch der Kaffee zubereitet werden.

De'Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl
De’Longhi La Specialista | Foto © Helmut Hackl

Fleißig reinigen, auch wenn es lästig ist

Nicht vergessen: Kaffee ist bekanntlich ein schmutziges Geschäft. Daher gehört die Maschine regelmäßig geputzt. Zum Beispiel Siebträger und Einsätze, Milchschäumer, Mühle, Wassertank. Erfreulicherweise ist alles gut zugänglich. Ich weiß, dass dies lästig ist. Aber bedenkt immer: Vieles davon gelangt danach ins Häferl!

De’Longhi La Specialista – mein Fazit

Die La Specialista ist ein guter Einstieg in die Welt der Siebträger. Dank der eingebauten Mühle, der Tamperstation als “einarmiger Bandit”, des speziellen Milchschäumers und der simplen Zubereitung sollten auch “Erstkontaktler” damit zurechtkommen. Dabei hilft sicherlich der beigefügte Komfort der Vollautomaten. Beschäftigen sollte man sich aber trotzdem mit den Einstellungen. Mein kleiner Kritikpunkt: Mir persönlich arbeitet der Tamper ein bisserl zu “schlampig”, wenn ich noch nicht die optimale Menge für eine Sorte herausgefunden habe. Aber es macht Spaß, den Hebel zu betätigen.

Wäre ich Einsteiger, dann würde ich mit der La Specialista liebäugeln. Aber ich habe da in den letzten Jahren mit meiner Fiorenzato Bricoletta schon ausgiebig Amateur-Erfahrung gesammelt. Da bin schon eine Stufe weiter. Da ich jedoch hauptsächlich Filterkaffee (in all seinen Ausprägungen) trinke, wäre es dennoch eine günstige Alternative, falls ich mich mal doch von meinem Siebträger trennen sollte.

Bei Interesse: Der UVP der De’Longhi La Specialista liegt bei ungefähr 800 Euro.

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